Franz Kafka hatte ein schwieriges Verhältnis zu Frauen. Obwohl er nicht fähig war, eine längere Beziehung einzugehen, verlobte er sich dennoch dreimal und löste diese Verlobungen nach kurzer Zeit wieder auf. Er blieb zeit seines Lebens Junggeselle. Dabei galt ihm die Heirat und Kinder zu haben als das Höchste, das einem Menschen gelingen kann.
Zitat aus einem Brief an seinen Vater: „ Heiraten, eine Familie zu gründen., alle Kinder, welche kommen, hinnehmen, in dieser unsicheren Welt erhalten und gar noch ein wenig führen, ist meiner Überzeugung nach das Äußerste, das einem Menschen überhaupt gelingen kann.“
Seiner erste ernsthafte Liebesbeziehung lernte Kafka am 13. August 1912 die junge Berlinerin Felice Bauer, die aus einer jüdischen Familie stammte, während eines Besuches bei seinem Freund Max Brod kennen. Sie war unkompliziert, lebenslustig und praktisch veranlagt. Erst nach einem intensiven Briefwechsel trafen sie sich nach einem halben Jahr wieder.Sie lernten sich nur über Briefe kennen und lieben. Franz Kafka verlobte sich zweimal mit ihr und hatte die Absicht, sie zu heiraten. Der Hauptbestandteil dieser Beziehung war ein immerdauernder Briefwechsel, der den größten Teil der Partnerschaft ausmachte, mehr als die körperliche Nähe zueinander. Kafka fand sie unerotisch, war aber begeistert von ihrem Charakter. Nach den zwei Ver- und Entlobungen trennten sie sich entgültig 1917 in Prag.
In den 5 Jahren der Beziehung schrieb Kafka mehr als 500 Briefe an Felice Bauer, die sie aus finanziellen Gründen in den fünfziger Jahren verkaufen musste.
Franz Kafka traf am 30.Oktober 1913 erstmals auf Grete Bloch, eine Freundin von Felice B., die auch aus einer jüdischen Familie stammte. Sie versuchte in der Beziehung zwischen Kafka und Bauer zu vermitteln, was aber erfolglos blieb. Es entwickelte sich bald darauf, durch Briefkontakt zwischen Kafka und Bloch, eine Beziehung. Nach der Verlobung Pfingsten 1914 von Kafka mit Felice Bauer machte sich Grete Bloch Vorwürfe, da sie Einfluss auf diese Beziehung hatte. In seinen Briefen an Grete B. äußerte Kafka negative Äußerungen über die geplante Ehe mit Felice Bauer. Teile dieser Briefe übergab Bloch an die Verlobte Bauer, die daraufhin die Verlobung löste. Damit endete auch der regelmäßige Briefwechsel von Franz Kafka und Grete Bloch.
(Sie wurde 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort im Alter von 52 Jahren ermordet).
Im Jahr 1918 wollte Franz Kafka sich nördlich von Prag erholen und lernte dort Julie Wohrycek, eine Prager Jüdin, kennen. Sie gingen 1919 eine fast heimliche Verlobung ein. Die geplante Hochzeit für November 1919 wurde von den Eltern von Kafka strikt abgelehnt. Gründe hierfür waren die Gerüchte über Julies sexuelle Freizügigkeit. Franz K. löste die Beziehung im Juli 1920 auf, da er mit Milena Jesenskà liiert war.
Über seine Verlobte schrieb Kafka an seinen Freund Max Brod folgendes: „ Eine gewöhnliche und eine erstaunliche Erscheinung. Nicht Jüdin und nicht Nicht-Jüdin, nicht Deutsche, nicht Nicht-deutsche, verliebt in das Kino, in Operetten und Lustspiele, in Puder und Schleier, Besitzerin einer unerschöpflichen und unaufhaltbaren Menge der frechsten Jargonausdrücke, im ganzen sehr unwissend, mehr lustig als traurig -so etwa ist sie.“
Julie W. wurde von der deutschen Besatzungsmacht nach Auschwitz deportiert und am 26. August 1944 ermordet.
Milena Jesenskà hatte den Ruf einer exzellenten Journalistin in Tschechien. Sie verdiente sich ihren Lebensunterhalt unter anderem mit Übersetzungen. 1919 wandte sie sich an Franz Kafka mit der Bitte, seine Werke in die tschechische Sprache übersetzen zu dürfen. Aus einer anfängliche Brieffreundschaft 1920 entstand eine tiefere Verbindung. Milena war jedoch zu dieser Zeit in erster Ehe mit dem Prager Literaten Ernst Polak verheiratet. Diese Ehe war zwar unglücklich, trotzdem wollte sich Milena nicht von ihrem Mann trennen. Die Beziehung zu Franz K. rein platonisch. Der freundschaftliche Kontakt riss allerdings bis zu Kafkas Tod nicht ab.
Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch das Nazi-Regime betätigte sich Milena als Fluchhelferin und wurde im November 1939 von der Gestapo festgenommen. 1940 wurde sie in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo sie im Mai 1944 an den Folgen einer Nierenoperation starb.
Franz Kafka lernte seine letzte Lebensgefährtin, das 15 Jahre jüngere ostjüdische Mädchen Dora Diamant, im Juli 1923 im Ostseebad Graal-Müritz kennen, wo sie als Betreuerin der Ferienkolonie des Berliner Jüdischen Volksheims arbeitete. Kurze Zeit später im September 1923 mieteten sich dann eine kleine Wohnung in Berlin-Steglitz. Mit ihr erlebte Kafka eine unkomplizierte Liebe. Heiratspläne der beiden scheiterten am Widerstand vom Vater von Dora Diamant. Anfang Mai 1924, kurz vor Kafkas Tod, er hielt er einen ablehnenden Brief von Doras Vater, den er um die Hand seine Tochter gebeten hat.
Im April 1924 begleitet sie Kafka, der inzwischen unter Kehlkopftuberkulose litt, zunächst nach Prag und dann nach Wien, wo sie Kafka in den letzen Wochen seines Lebens pflegte.
von Sarah Möwes, Paula Kriewet und Bruno Freyer

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