Pragfahrt 2009

Vom 29.06.2009 bis zum 03.07.2009 war die Klasse E1 zusammen mit der E2 und dem Leistungskurs Deutsch der Paul Natorp Oberschule Berlin in Prag. Hier sind die Ergebnisse der E1 von der Projektfahrt dokumentiert, die in einzelnen Gruppen erarbeitet und in Prag an ausgewählten Orten vorgeführt wurden.

Außerdem gibt es kurze Zusammenfassungen der Tage, allerdings möchten sich die Autoren ausdrücklich für die Ironie entschuldigen.

Die Prager Golem-Sage

Es gibt unzählige Versionen der Prager Golem-Sage. Die bekannteste handelt von dem Rabbi Löw, der von den Beschuldigungen gegen die Juden sehr bedrückt war. Im Jahr 1580 soll ein Geistlicher mit dem Namen Thaddäus sich erneut gegen die Juden gewandt und gegen die Prager Judengemeinde Ritualmordbeschuldigungen gerichtet haben. Daraufhin hatte der Rabbi einen Traum, in dem der Himmel ihm auftrug, ein Menschenbild aus Lehm zu erschaffen:,,Erschaffe ein Menschenbild aus Lehm, und du wirst der Böswilligen Absicht zerstören“. Um den Golem zu erschaffen, ging er mit einem seiner Schüler und einem Diener zu einer Lehmgrube an der Moldau. Dort kneteten sie aus der formlosen Masse eine menschliche Figur, um die sie dann sieben mal liefen und darauf mehrere Formeln sprachen. Der Golem erwachte zum Leben. Ausdruckslos. Nur seine Augen leuchteten rot. Es ist nicht genau überliefert wie er ausgesehen hat, es steht aber fest, dass er sehr groß war und ungeheure Kräfte hatte. Die meiste Zeit über saß er reglos zurückgezogen in einem Winkel der Stube des Rabbi. Mit einem Amulett aus Hirschhaut konnte dieser ihn unsichtbar machen. Und wenn er einen Auftrag für den Golem hatte, legte er ihm ein mit Zaubersprüchen beschriebenes Pergament in den Mund.
Die meisten Aufträge, die der Rabbi ihm gab, dienten zur Bekämpfung der Blutbeschuldigung. Der Golem patrouillierte dabei nachts im Jüdischen Viertel und hielt jeden auf, der eine Last trug. War die Last eine Kinderleiche, wurde der Überführte den hohen Leuten im Stadthaus übergeben.

Weiterlesen ‚Die Prager Golem-Sage‘

Franz Kafkas jüdische Identität

Franz Kafka ist in Prag am 3. Juli 1883 geboren. Seine Eltern waren Juden und deshalb nannten sie ihn Franz, was auf hebräisch Amschel heißt. So hieß auch sein Großvater, ein sehr frommer und religiöser Mann. In Kafkas Literatur ist hauptsächlich sein Verhältnis zum Vater thematisiert, zu dem er ein kritisches Verhältnis hatte. Schon in seiner Jugendzeit beschäftigte er sich mit Literatur, sein Frühwerk ist allerdings verloren gegangen. Im Jahre 1901 machte er Abitur und studierte bis 1906 in verschiedenen Bereichen, er machte seinen Abschluss in Jura.
Für Kafka war das Streben nach außen , ein leben ohne Bestimmungen wichtig.
Er nannte Prag „Kleine Mutter mit Krallen“, was seine Hassliebe wiederspiegelt. Franz Kafka lebte hauptsächlich in Prag, er wohnte immer in oder zumindest in der Nähe der Altstadt und des ehemaligen jüdischen Ghettos. Dies symbolisiert die geistige Nähe zur jüdischen Kultur und Religion.
Die Familie Kafka ging nur zu Feiertagen in die Synagoge, doch auch da fühlte sich Franz Kafka nie wohl.

Kafkas Anti- Religiöse Seite
Franz Kafkas erste Einstellung war gegen das Judentum, da sein Vater dem Judentum angehörte und er gegen ihn rebellierte.
Kafkas Charakter kann man in zwei Seiten Teilen, einmal in die tägliche Seite, welche seine öffentliche Seite zeigt und seine nächtliche Seite, die den verborgenen Teil seines Charakters zeigt.
Kafkas tägliche Seite zeigt eine deutliche Abneigung gegen das Judentum.
Trotz allem versucht er in seinen Texten einige Fragen zum Judentum zu beantworten, wie zum Beispiel: Die Zentralen Fragen des Judentums, Ob es einen persönlichen Gott gibt oder nach dem Sinn der jüdischen Gesetze?
Jedoch kann er diese Fragen nur im negativen Sinn beantworten, was zeigt, dass Kafka eine sehr negative Einstellung zum Judentum hatte.
Die Wissenschaftler streiten sich wiederum, ob Franz Kafka ein Zionist war.
Was ist ein Zionist oder der Zionismus: Der Zionismus beruht auf starker Selbstkritik.
Sie haben keinen Glauben, dass sich der Judenhass
irgendwann bessert.
Und das die Städtebildung als Entfremdungsprozess
angesehen wird.
Der einzige Punkt mit dem Kafka und die Zionisten übereinstimmen war die starke Selbstkritik.
Zu seiner Abneigung gegen das Judentum kamen auch noch der Selbsthass.
Zitat von Kafka an seine Geliebte Milena: „Eher könnte ich Dir den Vorwurf machen, dass Du von den Juden, die Du kennst (mich eingeschlossen) -es gibt andere! – eine viel zu gute Meinung hast, manchmal möchte ich sie als Juden (mich eingeschlossen) alle etwa in die Schublade des Wäschekastens dort stopfen, dann warten, dann die Schublade ein wenig herausziehen, um nachzusehen, ob sie schon alle erstickt sind, wenn nicht, die Lade wieder zuschieben und es so fortsetzen bis zum Ende!“
An diesem Zitat ist sehr gut zu erkennen das Franz Kafka gegenüber dem Judentum Anti-Religiös eingestellt war.

von Friederike Schmidt

Das Franz Kafka Denkmal

Ungefähr 79 Jahre nach dem Tod von Franz Kafka (1883-1924) , im 120. Geburtsjahr des Schriftstellers, wurde in seiner Geburtsstadt Prag am 4.Dezember 2003 das Franz-Kafka-Denkmal enthüllt.
Die Bronzestatue des Bildhauers Jaroslav Ròna ist 3,75 m groß und wiegt 700 kg. Er wählte das Denkmal aus Bronze, da sie von Dauer sind und Wind und Vandalen standhält. Sie lässt sich leicht pflegen und gut nachbessern.
Das Denkmal zeigt einen körperlosen Mantel, auf dem eine kleine Figur reitet.
Das Kafka-Denkmal

Die Statue steht zwischen der Spanischen Synagoge im ehemaligen jüdischen Viertel der Prags, in dem Kafka einen großen Teil seines Lebens verbracht hat und der Heiligen-Geist-Kirche. Dieser Ort wurde in Zusammenarbeit mit den Vorstehenden , die für Institutionen für städtische Fragen verantwortlich sind, ausgewählt.
Bis zu diesem Tag gab es nur eine Reliefbüste mit Porträt am Geburtshaus von Kafka.
Die Staue entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekturstudio David Vàvras. Die Errichtung des Denkmals ist das Projekt der Franz-Kafka-Gesellschaft. Die Realisation dieses Projektes dauerte 4 Jahre. Der Gedanke zum Erbauen des Denkmals kam während der Besprechungen in der Franz-Kafka-Gesellschaft kurz nach ihrer Entstehung im Jahre 1990 auf.
Zur Errichtung des Denkmals wurde von der Gesellschaft ein Wettbewerb veranstaltet, an dem 7 hervorragende tschechische Künstler teilnahmen unter anderem auch Jaroslav Ròna, der in der 2. Runde gewann.
Die Statue Kafkas wird als verkleinerter Bronzeabguss als internationaler Literaturpreis der Franz-Kafka-Gesellschaft seit 2001 verliehen

Der Bildhauer J. Ròna berichtet von der Inspiration zu diesem Denkmal:
Ein Zitat aus der 1903 entstandenen Novelle „Beschreibung eine Kampfes“ lautet:: „…Schon sprang ich mit ungewohnter Geschicklichkeit meinem Bekannten auf die Schultern und brachte ihn dadurch, dass ich meine Fäuste in seinen Rücken stieß in einen leichten Trab…“
„Ein riesiger leerer Anzug kann zugleich eine unantastbare Welt sein, mit der Kafka kämpfen und dank des Schreibens ist es auch ihm ermöglicht, sich an dessen Verlauf zu beteiligen. Kafka kann gleichzeitig von ihr fortgetragen werden, wobei er denken würde, dass er sie lenkt und durch eine Bewegung den Weg zeigt…“

von Sarah Möwes, Paula Kriewet und Bruno Freyer

Franz Kafka – Krankheiten und sein Tod

Im Alter von 23 Jahren erlitt Kafka im August 1916 einen Blutsturz und lebt daraufhin wieder bei seinen Eltern.
Im August 1917 erleidet er einen Lungenblutsturz und im September 1917 wird bei ihm Lungentuberkulose diagnostiziert . Er fährt zur Erholung nach Zürau in Nordböhmen.
Bereits im Oktober 1918 erkrankte er schwer an Spanischer Grippe und erholt sich hiervon in Schelesen in Nordböhmen.
Im April 1920 war Kafka zur Kur in Meran, da er bereits 1919 wegen Krankheit nicht arbeiten konnte.
Von Dezember 1920 bis August 1921 machte er abermals einen Kuraufenthalt, jetzt in der Hohen Tatra (Slowakei).
Kafka war im Winter1921 bereits wieder häufiger krank und musste bis zum Frühjahr 1922 sich immer wieder krank ins Bett legen.
Im Februar 1923 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand deutlich.
1924 wird bei ihm Kehlkopftuberkulose festgestellt.
Er kommt am 5. April 1924 in das Sanatorium „Wiener Wald“ in Niederösterreich. Er wog bekleidet nur noch 49 Kg. Anschließend wird er in die Universitätsklinik Wien verlegt, da sein Kehlkopf inzwischen so angeschwollen ist, dass er nichts mehr essen kann.
Am 19. April 1924 wird Franz Kafka in das Sanatorium Dr. Hoffmann im Kierling bei Klosterneuburg aufgenommen, wo seine letzte Lebensgefährtin Dora Diamant und der seit 1921 mit ihm befreundete junge Arzt Robert Klopstock ihn pflegen.

Am 3. Juni 1924 stirbt Franz Kafka gegen Mittag an den Folgen seiner Tuberkulose.

Er wird nach Prag überführt am 11. Juni 1924 auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Strachnitz begraben.

von Sarah Möwes, Paula Kriewet und Bruno Freyer

Franz Kafka – Beziehungen zu Frauen

Franz Kafka hatte ein schwieriges Verhältnis zu Frauen. Obwohl er nicht fähig war, eine längere Beziehung einzugehen, verlobte er sich dennoch dreimal und löste diese Verlobungen nach kurzer Zeit wieder auf. Er blieb zeit seines Lebens Junggeselle. Dabei galt ihm die Heirat und Kinder zu haben als das Höchste, das einem Menschen gelingen kann.
Zitat aus einem Brief an seinen Vater: „ Heiraten, eine Familie zu gründen., alle Kinder, welche kommen, hinnehmen, in dieser unsicheren Welt erhalten und gar noch ein wenig führen, ist meiner Überzeugung nach das Äußerste, das einem Menschen überhaupt gelingen kann.“

Weiterlesen ‚Franz Kafka – Beziehungen zu Frauen‘

Rainer Maria Rilke – Kindheit und Ausbildung

René Karl Wilhelm Johann Josef Rilke, später als Rainer Maria Rilke bekannt, kam am 4. Dezember 1875 in Prag zur Welt. Die Ehe der Eltern , Josef Rilke ( 1838- 1906) und Sophie Entz ( 1851- 1931), wurde 1884 geschieden. Seine Mutter war das genaue Gegenteil des Vaters, welcher als unzufrieden und charakterschwach galt. Sie war eine sehr dominante Persönlichkeit. Die eheliche Bindung dieser beiden wurde nur geschlossen, da Sophie Entz auf ein angenehmeres und besseres Leben hoffte. Diese Träume blieben jedoch unerfüllt.
Rilke wurde bis zu seinem sechsten Lebensjahr in eine Mädchenrolle gesteckt und trug langes Haar und Kleider. Dies kam daher, dass ein Jahr vor seiner Geburt die gerade eine Woche alte Schwester starb. Seine Mutter verkraftete es nur sehr schwer und nannte Rainer Maria Rilke deshalb René – französisch für „ der Wiedergeborene“. Aufgrund dieser Vorkommnisse war das Verhältnis beiden sehr angespannt und er wuchs zu einem zartbeseiteten Jungen heran.
Eine Offizierslaufbahn war für ihn vorgesehen und aufgrund dessen besuchte er ab 1885 die Militärschule. Er konnte dem Druck und dem Drill nicht standhalten und erkrankte. Daraufhin brach er die militärische Ausbildung ab und wurde drei Jahre lang ( von 1892- 1895) mit Privatunterricht auf das Abitur vorbereitet, welches er bestand.

von Zoé Frieser

Der Prager Frühling

Mit dem Begriff “Prager Frühling” verbinden sich zwei gegensätzliche Vorgänge:
Einerseits den tschechoslowakischen Versuch vom Frühjahr 1968 einer friedlichen Systemreform und anderseits aber auch die gewaltsame Niederschlagung dieses Versuches durch die einmarschierenden Truppen der 5 Warschauer Pakt Staaten im Herbst 1968.
In den 60er Jahren war die CSSR ein sozialistischer Staat, es regierte die KPC.
In der KPC findet ein Führungswechsel statt.

1968 wird Alexander Dubcek zum Ersten Sekretär der KPC gewählt.
Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass Dubcek zur Symbolfigur einer Systemreform in der CSSR wird.
Dubcek lässt öffentliche Diskussionen über die Probleme des Landes zu, die Zensur wird abgeschafft, es können sich politisch unabhängige Gruppen bilden und die CSSR öffnet sich dem Westen, ungehindertes Ausreisen ist möglich.
Durch dieses Reformen entwickeln sich Reformbewegungen in der Bevölkerung.
Dubceks Idee eines “Sozialismus mit menschlichen Antlitz” zu schaffen wird zum Leitbild der Reformbewegung in der CSSR.
Der Kreml sieht durch Dubceks Reformen die Einheit des Ostblockes in Gefahr.
Eine zusätzliche Provokation stellt das am 27. Juni erscheinende “Manifest der 2000 Worte” dar.
Mit diesem Manifest werden weitere politische und gesellschaftliche Reformen eingeleitet.
Die Moskauer Führung fürchtet einen Umsturz des Kommunismus und befürwortet eine militärische Lösung um die CSSR wieder auf den Weg des Sozialismus zu bringen.
Am 21. August rollen die Panzer der 5 Warschauer Pakt Staaten auf Prag zu.
Die Bürger der CSSR versuchten mit friedlichen Protesten ihre neue Freiheit zu verteidigen und den Einmarsch der Truppen zu verhindern.
Blutig werden die friedlichen Proteste niedergeschlagen und die Reformbewegung gestoppt.
Der Wenzelsplatz war der zentrale Punkt der friedlichen Proteste und der blutigen Niederschlagung.
Dubcek wurde gewaltsam nach Moskau bebracht und gezwungen das “Moskauer Protokoll” zu unterschreiben – Rücknahme der Reform.
Die CSSR verfiel wieder in die alten kommunistischen Strukturen – Staat ohne Rechte und ohne Freiheiten für die Bürger.
5 Monate später verbrennt Jan Palach als Protest gegen die blutige Niederschlagung der Reform auf dem Wenzelsplatz.
Denkmal Jan Pallach

von Lisa Weber


Archiv

Lizenz

Creative Commons License
Dieser Werk oder Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.