Die Prager Golem-Sage

Es gibt unzählige Versionen der Prager Golem-Sage. Die bekannteste handelt von dem Rabbi Löw, der von den Beschuldigungen gegen die Juden sehr bedrückt war. Im Jahr 1580 soll ein Geistlicher mit dem Namen Thaddäus sich erneut gegen die Juden gewandt und gegen die Prager Judengemeinde Ritualmordbeschuldigungen gerichtet haben. Daraufhin hatte der Rabbi einen Traum, in dem der Himmel ihm auftrug, ein Menschenbild aus Lehm zu erschaffen:,,Erschaffe ein Menschenbild aus Lehm, und du wirst der Böswilligen Absicht zerstören“. Um den Golem zu erschaffen, ging er mit einem seiner Schüler und einem Diener zu einer Lehmgrube an der Moldau. Dort kneteten sie aus der formlosen Masse eine menschliche Figur, um die sie dann sieben mal liefen und darauf mehrere Formeln sprachen. Der Golem erwachte zum Leben. Ausdruckslos. Nur seine Augen leuchteten rot. Es ist nicht genau überliefert wie er ausgesehen hat, es steht aber fest, dass er sehr groß war und ungeheure Kräfte hatte. Die meiste Zeit über saß er reglos zurückgezogen in einem Winkel der Stube des Rabbi. Mit einem Amulett aus Hirschhaut konnte dieser ihn unsichtbar machen. Und wenn er einen Auftrag für den Golem hatte, legte er ihm ein mit Zaubersprüchen beschriebenes Pergament in den Mund.
Die meisten Aufträge, die der Rabbi ihm gab, dienten zur Bekämpfung der Blutbeschuldigung. Der Golem patrouillierte dabei nachts im Jüdischen Viertel und hielt jeden auf, der eine Last trug. War die Last eine Kinderleiche, wurde der Überführte den hohen Leuten im Stadthaus übergeben.

Als 1593 wieder Ruhe eingekehrt war, nicht zuletzt durch ein Gesetz, welches die Blutbeschuldigung nicht mehr unter Anklage stellte, beschloss der Rabbi den Golem wieder den Elementen zu übergeben. Wieder ging er mit denselben Vertrauten zu derselben Lehmgrube und vollzog dasselbe Ritual in umgekehrter Reihenfolge. Dann verstauten sie die Überreste in Rabbi Löws Dachstube. Bis heute sollen sie dort noch liegen.

Eine andere Version erzählt, dass Rabbi Löw ein Pergament mit einer Zauberformel im Mund des
Golems vergessen hat, der Golem Amok gelaufen ist und er daraufhin vernichtet wurde.

Herkunft des Namens:
Golem ist das hebräische Wort für „Ungeformtes“, aber auch für „Embryo“ (s. Psalm 139, 16). Im modernen Iwrit bedeutet das Wort golem „dumm“ oder „hilflos“. Die rabbinische Tradition bezeichnet alles Unfertige als Golem. Auch eine Frau, die noch kein Kind empfangen hat, wird als Golem bezeichnet (z. B. im Babylonischen Talmud, Traktat Sanhedrin 22b). In den Sprüchen der Väter ist „Golem“ die Bezeichnung für eine ungebildete Person („An sieben Dingen erkennt man den Ungebildeten, und an sieben Dingen den Weisen“).

Besonders verbreitet ist der Begriff aber als Bezeichnung für ein Geschöpf in einer jüdischen Legende, die in Böhmen, aber auch anderswo in Mitteleuropa verbreitet war. Dabei handelt es sich um ein in menschenähnlicher Gestalt aus Lehm und Ton künstlich gebildetes Wesen, das besondere Kräfte besitzt, Befehlen folgen, aber nicht sprechen kann.

Sinnbild und Deutung:
Das Wort Golem wurde verwendet, wenn man einen Beschützer ausdrücken wollte. Da er erschaffen wurde, um die Juden zu schützen vor den Vorurteilen Beschuldigungen und Angriffen.
Aufgrund des herrschenden Antisemitismus wird dem Golem daraufhin eine vorwiegend negative Rolle zugeteilt (Achim von Armin: Isabella von Ägypten) oder als Synonym für Stupidität wie in den Gedichten von Theodor Storm (Der Staatskalender). Dadurch hat das Wort Golem immer mehr die Bedeutung als Werkzeug des Bösens zu gelten. Speziell der Nationalsozialismus hat dies getan. Ein Golem blieb zwar eine Lehmfigur, war aber nicht mehr der Beschützer, sondern ein „plumpes“ Wesen, was genau die Dinge ausführt, die ihm genannt werden ohne überhaupt mal darüber nachzudenken.

Eine Notiz Jacob Grimms in der Zeitung für Einsiedler macht den Golem unter den deutschen Romantikern bekannt.

Heute:
In der Literatur hat sich das Sinnbild des stupiden Werkzeugs des Bösens gefestigt. Da es für den Beschützer schon viele Synonyme gibt und kein zweites Wort mit der gleichen, eindeutigen Bedeutung existiert.

von Felix Beckstett

Advertisements

0 Responses to “Die Prager Golem-Sage”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s




Archiv

Lizenz

Creative Commons License
Dieser Werk oder Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Advertisements

%d Bloggern gefällt das: